Ratgeber und praktische Tipps

Sicher in den Bergen: Wandern, Skifahren und Ausrüstung

Packlisten, Wetter, Notrufe, Lawinen, Pistenregeln und Kühe: gut vorbereitet in die Berge.

Ein Urlaub in der Wildschönau spielt sich meist auf 800 bis 2.000 Metern Höhe ab. Das ist schön und für Familien gut machbar, doch Wetter und Verhältnisse ändern sich dort schneller als im Tal. Ein sonniger Vormittag kann mit einem Gewitter enden, und eine ruhige Piste ist nach Neuschnee plötzlich eine ganz andere Sache.

Mit etwas Vorbereitung hat man das gut im Griff. Man packt passende Kleidung und Ausrüstung ein, schaut vorher in den Wetterbericht und wählt eine Route, die zum jüngsten und ungeübtesten Wanderer oder Skifahrer passt. Man kennt die Notrufnummern und weiß, wie man sich bei Kühen auf der Alm, auf der Piste und bei Lawinengefahr verhält.

Dieser Ratgeber geht die wichtigsten Punkte durch: Packlisten für Sommer und Winter, Wetter und Gewitter, Routenwahl, Notrufnummern, Lawinengefahr, Pistenregeln, Kühe und Hunde, Sonne und Höhe sowie Versicherung. Er ist eine allgemeine Information und ersetzt weder einen Bergführer noch die aktuellen Warnungen. Im Zweifel fragt man Gastgeber, Bergbahn oder Tourismusbüro.

Tipps

  • Am Vorabend Bergwetter und Lawinenlagebericht (avalanche.report) prüfen und dem Gastgeber die Route nennen.
  • Früh starten und bei dunklen Wolken umkehren; Gewitter kommen oft am Nachmittag.
  • 112 und 140 im Handy speichern und den eigenen Standort kennen.
  • Bei Kühen Abstand halten und auf dem Weg bleiben; Hunde an die Leine.
  • Jedes Kind sollte einen Helm tragen, auch wenn er in Tirol nicht Pflicht ist.

Zeiten, Preise und Öffnungszeiten bitte immer vorab beim Anbieter prüfen; sie können sich ändern.

Packliste Sommer

Feste Wanderschuhe mit gutem Profil sind die wichtigste Anschaffung; Turnschuhe genügen nur auf breiten, flachen Wegen. Man zieht sich im Zwiebelprinzip an: atmungsaktives Shirt, Fleece oder dünne Daunenjacke und eine leichte Regenjacke. Mütze und dünne Handschuhe gehören dazu, denn auf 1.800 Metern ist es spürbar kühler als im Tal. Im Rucksack sind Wasser, Proviant, Sonnencreme, Sonnenbrille, Kappe und ein kleines Erste-Hilfe-Set mit Blasenpflastern. Ein aufgeladenes Handy, eine Offline- oder Papierkarte und eine leichte Regenhülle für den Rucksack runden die Ausrüstung ab. Wanderstöcke helfen vor allem bei langen Abstiegen. Kinder tragen am liebsten ihren eigenen kleinen Rucksack.

Packliste Winter

Zum Skifahren oder Schneewandern trägt man eine wasserabweisende, warme Außenschicht über Thermowäsche und Fleece. Baumwolle hält Feuchtigkeit und kühlt aus, daher besser Synthetik oder Merinowolle. Handschuhe oder Fäustlinge (ein Paar zum Wechseln), Mütze oder Schlauchtuch, Skibrille und Sonnencreme für das Gesicht gehören immer dazu, auch bei bedecktem Himmel. Ein gut sitzender Skihelm ist für jedes Kind und jeden Erwachsenen ratsam. Für Kinder ist ein Rückenprotektor eine sinnvolle Ergänzung. Im Rucksack sind Thermosflasche, ein Snack, Taschentücher und ein trockenes Shirt für die Kinder. Wer abseits der Piste wandert, braucht Winterwanderschuhe und eventuell Schneespikes. Wer die Ausrüstung im Ort leiht, bekommt meist auch Tipps zur passenden Größe.

Wetter, Gewitter und Routenwahl

Man prüft am Vorabend und am Morgen den Bergwetterbericht und plant so, dass man den höchsten Punkt deutlich vor Mittag erreicht. Im Sommer entstehen Gewitter in den Bergen oft am Nachmittag. Ziehen dunkle Wolken auf, kehrt man um oder steigt sofort zu einer Hütte oder ins Tal ab. Bei Gewitter meidet man Grate, Gipfel, einzelstehende Bäume, Seile und Metallgeländer. Man sucht ein Gebäude auf oder hockt sich mit geschlossenen Füßen auf den Rucksack. Die Route richtet sich nach dem schwächsten Mitglied der Gruppe: Länge, Höhenmeter und der auf Schildern und Karten angegebene Schwierigkeitsgrad zählen. Mit Kindern plant man großzügig, legt Pausen ein und hat eine Ausweichmöglichkeit wie Bergbahn oder Hütte im Hinterkopf. Dem Gastgeber sagt man, wohin es geht.

Notrufnummern in den Alpen

In Österreich wählt man bei jedem Notfall den europäischen Notruf 112. Für einen Unfall in den Bergen gibt es zusätzlich den Alpinnotruf 140 der Bergrettung. Er funktioniert aus einem österreichischen Mobilnetz ohne Vorwahl; mit einer ausländischen SIM-Karte klappt 112 immer, auch ohne eigenes Netz, solange ein anderes Netz verfügbar ist. Wer einen Unfall beobachtet oder erlebt, bleibt ruhig und meldet, wer man ist, was passiert ist, wie viele Verletzte es gibt und wo man genau ist. Den Standort kann man oft über eine Handy-App oder an Markierungen und Schildern entlang der Route ablesen. Das internationale alpine Notsignal sind sechs hörbare oder sichtbare Zeichen pro Minute, dann eine Minute Pause, dann Wiederholung. Man bleibt beim Verletzten und hält ihn warm, bis Hilfe eintrifft.

Lawinengefahr und Skifahren abseits der Piste

Abseits der markierten Pisten ist die Lawinengefahr real, auch direkt neben der Piste. Den offiziellen Lawinenlagebericht für Tirol findet man auf avalanche.report; er nennt täglich eine Gefahrenstufe auf einer Skala von 1 bis 5 und beschreibt die kritischen Hänge. Man liest ihn vor dem Start und meidet bei höheren Stufen steiles Gelände. Freeriden ist nur etwas für Leute mit Lawinenverschüttetensuchgerät, Schaufel und Sonde, die damit umgehen können und am besten mit einem erfahrenen Bergführer unterwegs sind. Auch Schneewanderer und Rodler sollten ihre Route prüfen. Gesperrte Pisten, Schilder und Warnungen sind zu respektieren: Sie haben ihren Grund. Für Familien mit Kindern gilt die einfache Regel: auf markierten, kontrollierten Pisten oder präparierten Winterwanderwegen bleiben.

Pistenregeln und Helm für Kinder

Auf der Piste gelten die internationalen FIS-Regeln. Im Kern: Rücksicht auf andere nehmen, Geschwindigkeit und Fahrweise beherrschen, die Spur so wählen, dass man den Vordermann nicht gefährdet, und mit genügend Abstand überholen. Nicht an unübersichtlichen Stellen stehen bleiben, beim Anfahren und Queren gut schauen und Schilder und Markierungen beachten. Nach einem Unfall besteht Hilfepflicht, und man tauscht die Personalien aus. Die Helmpflicht für Kinder unterscheidet sich je nach österreichischem Bundesland. Nach aktuellem Kenntnisstand gibt es in Tirol keine gesetzliche Helmpflicht, anders als in mehreren anderen Ländern, doch ein Helm wird dringend empfohlen. Regeln können sich ändern und Skischulen stellen mitunter eigene Anforderungen, daher vorab nachfragen. Ein Helm für jedes Kind ist in jedem Fall sinnvoll.

Kühe auf der Alm und Hunde

Im Sommer weiden Kühe und Kälber frei auf den Almen, oft auch entlang von Wanderwegen. Meist sind sie ruhig, doch Mutterkühe beschützen ihre Kälber und können unerwartet reagieren. Man bleibt auf dem Weg, hält möglichst viel Abstand, geht ruhig und nimmt Kinder an die Hand. Nie zwischen Kuh und Kalb treten, die Tiere nicht streicheln und nicht füttern. Versperren Tiere den Weg, geht man in weitem Bogen um sie herum. Man dreht ihnen nicht den Rücken zu und rennt nicht weg. Hunde gehören an die Leine, doch bei einem Angriff lässt man sie besser los, damit der Hund fliehen kann und man selbst auch. Einen Hund nie dem Vieh nachlaufen lassen. Gatter schließt man hinter sich, wie man sie vorgefunden hat.

Sonne, Höhe und Versicherung

In den Bergen ist die UV-Strahlung stärker als im Tal, und Schnee reflektiert viel Licht. Man trägt Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor auf, auch bei Bewölkung, und setzt Kappe oder Mütze und Sonnen- oder Skibrille auf. Man trinkt ausreichend, auch bei Kälte. Die Höhenunterschiede in der Wildschönau sind für die meisten gut machbar; bei Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel ruht man sich aus oder steigt ab. Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) sollte dabei sein, und die Reiseversicherung sollte man prüfen. Eine Bergung oder ein Hubschrauberflug kann Kosten verursachen, die die Basisversicherung nicht immer deckt. Man prüft, ob Wintersport und Wandern in der Höhe in der Police enthalten sind, und fragt beim Versicherer nach den Bedingungen.

Häufige Fragen

Welche Nummer wähle ich bei einem Unfall in den Bergen?

Man wählt 112, den europäischen Notruf, oder 140, den Alpinnotruf der Bergrettung. Man nennt, wer man ist, was passiert ist, wie viele Verletzte es gibt und wo man ist.

Ist ein Skihelm für Kinder in Tirol Pflicht?

Nach aktuellem Kenntnisstand gibt es in Tirol keine gesetzliche Helmpflicht für Kinder, ein Helm wird aber dringend empfohlen. Die Regeln unterscheiden sich je Bundesland und können sich ändern, daher vorab bei Skischule oder Verleih nachfragen.

Was tue ich, wenn Kühe auf dem Wanderweg stehen?

Ruhig bleiben, viel Abstand halten und in weitem Bogen um die Tiere gehen, ohne ihnen den Rücken zuzukehren. Hunde an der Leine führen und bei einem Angriff loslassen.

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